Nr. 7: Festnahme von Parvis Salarvand und die Notwendigkeit des Aufbaus einer Arbeiterorganisation.
Das „Koordinierungskomitee zum Aufbau einer Arbeiterorganisation“ ruft alle ArbeiterInnen auf, als Reaktion gegen die Verhaftung von Parvis Salarvand, ihre Bemühungen zum Aufbau einer Arbeiterorganisation zu intensivieren.
Das „Koordinierungskomitee“ weist in seiner Mitteilung vom 18. Mai 2005 auf eine Meldung des Betriebsblatts „Kar-Amad“ Nr. 100 vom 07. Mai 2005 hin, wonach gegen den geständigen Parvis Salarvand wegen „vorsätzlicher Abschaltung der Elektrizität und Sabotage“ ein Haftbefehl erlassen worden ist.*
Das „Koordinierungskomitee“ schreibt: „ Nehmen wir an, dass Parvis Salarvand ohne Zwang und Folter die ihm vorgeworfene vorsätzliche Abschaltung der Elektrizität gestanden hat. Dann wird sich jeder Arbeiter folgenden Fragen stellen.“ Das „Koordinierungskomitee“ versucht eine Antwort auf drei Fragen zu finden, die möglicherweise von ArbeiterInnen gestellt werden würden: 1. Warum hat Parvis Salarvand diese Tat begangen? 2. War diese Tat richtig? 3. Was tun?
In seiner Mitteilung lehnt das „Koordinierungskomitee“ solche Aktionen ab und ist der Meinung, dass solche abenteuerliche Methoden gegen die Interessen der ArbeiterInnen seien. Sie tragen nichts zum Selbstbewusstsein der ArbeiterInnen bei und werden durch Kapitalisten und Regierungen nur als Vorwand benutzt, um die Arbeitsbedingungen weiter zu ungunsten der ArbeiterInnen zu verschlechtern.
Trotzdem könne man nachvollziehen, warum Parvis Salarvand möglicherweise zu dieser Maßnahme gegriffen habe. Man brauche sich nur die Arbeitsbedingungen in „Iran-Khodro“ anzuschauen. Dort werde unter gefährlichsten Bedingungen, die bisher zum Tode mehrerer Arbeiter geführt haben, gearbeitet. Die ArbeiterInnen haben kein Vereinigungs- und Streikrecht. Während die Arbeiter zur Leistung von Überstunden gezwungen werden, und sogar während der offiziellen Feiertage ohne Lohnausgleich arbeiten müssen, belohne man die Manager mit astronomischen Gehältern. So betrachtet, scheine eine solche Reaktion nicht abwegig zu sein, um den Arbeitsdruck durch Stilllegung der Produktion ein wenig zu reduzieren.
Das „Koordinierungskomitee“ ruft aber alle ArbeiterInnen auf, als Reaktion auf diese Missstände, ihre Organisationen aufzubauen. Das Ziel dieser Organisation müsse der Kampf gegen den Kapitalismus sein. ArbeiterInnen wie Parvis Salarvand greifen nur zu solchen Methoden, weil ihnen eine Organisation fehle. Parvis Salarvand hätte in einer Orgnanisation mit seinen Kollegen über seine Unzufriedenheit sprechen, einen gemeinsamen Beschluss fassen und gemeinsam mit seinen Kollegen die Produktion durch Streik lahm legen können. So könnten die ArbeiterInnen ihre Forderungen bei den Kapitalisten durchsetzen.
Die Kapitalisten und nicht Parvis Salarvand müßten als Saboteure angeklagt werden. Sie seien diejenigen, die die ArbeiterInnen auspressen und sie als Reaktion zu ihren Protesten festnehmen und vor das Gericht stellen lassen.
*Siehe auch arbeiterkurier Nr. 4 und 5

